Ein Tarot-Deck wirkt auf den ersten Blick unübersichtlich: 78 Karten, viele Symbole, jede Menge Bilder. Doch dahinter steckt ein klarer Aufbau. Wenn du den einmal verstanden hast, findest du dich schnell zurecht. Das Herzstück bilden die Große Arkana und die Kleine Arkana, zwei Gruppen, die zusammen dein Deck ergeben. In diesem Beitrag gehen wir sie in Ruhe durch, damit du als Einsteigerin oder Einsteiger einen roten Faden hast.
Wichtig vorweg: Tarot ist hier ein Werkzeug zur Selbstreflexion, kein Blick in die Zukunft. Die Karten stellen Fragen, spiegeln Stimmungen und laden dich zum Nachdenken ein. Sie sagen dir nicht, was passieren wird.
Wie ist ein Tarot-Deck aufgebaut?
Ein vollständiges Tarot-Deck besteht aus zwei Teilen:
- 22 Karten der Großen Arkana: die großen Lebensthemen.
- 56 Karten der Kleinen Arkana: die alltäglichen Situationen und Nuancen.
Man kann sich das wie zwei Ebenen vorstellen: Die Große Arkana zeigt die großen Bögen und Wendepunkte, die Kleine Arkana das tägliche Geschehen mit seinen kleinen Schritten.
Was ist die Große Arkana?
Die Karten der Großen Arkana sind durchnummeriert von 0 bis 21. Sie beginnen mit 0, Der Narr und enden mit 21, Die Welt. Traditionell liest man diese Reihe wie eine Reise: Der Narr bricht unbekümmert auf, sammelt unterwegs Erfahrungen und kommt mit der Welt an einem Punkt der Ganzheit an. Man nennt das gern die „Reise des Narren". Eine der bekanntesten und am meisten missverstandenen Karten ist die Nummer XIII, ausführlich erklärt in Der Tod im Tarot.
Dazwischen liegen Bilder, die viele schon einmal gesehen haben: Die Hohepriesterin, Der Herrscher, Die Liebenden, Das Rad des Schicksals, Der Turm, Der Stern, Der Mond, Die Sonne. Jede dieser Karten steht in der Tradition für ein großes, allgemeinmenschliches Motiv, Aufbruch, Vertrauen, Wandel, Loslassen, Klarheit.
Weil sie so grundsätzliche Themen berühren, gelten die Großen Arkana in einer Legung als besonders bedeutsam. Tauchen mehrere von ihnen auf, deutet die Tradition das als Hinweis, dass gerade etwas Größeres in dir in Bewegung ist.
Die 22 Karten der Großen Arkana im Überblick
| Nr. | Karte | Grundthema (Tradition) |
|---|---|---|
| 0 | Der Narr | Aufbruch, Vertrauen, Unbefangenheit |
| I | Der Magier | Können, Wille, ein Anfang aus eigener Kraft |
| II | Die Hohepriesterin | Intuition, Geheimnis, inneres Wissen |
| III | Die Herrscherin | Fülle, Fruchtbarkeit, Kreativität |
| IV | Der Herrscher | Struktur, Verantwortung, Ordnung |
| V | Der Hierophant | Tradition, Lehre, Werte |
| VI | Die Liebenden | Wahl, Verbindung, Herzensentscheidung |
| VII | Der Wagen | Wille, Richtung, Vorankommen |
| VIII | Die Kraft | sanfte Stärke, Geduld, Selbstbeherrschung |
| IX | Der Eremit | Rückzug, Suche, innere Klärung |
| X | Das Rad des Schicksals | Wendepunkt, Wandel, Rhythmus |
| XI | Die Gerechtigkeit | Ausgleich, Klarheit, Verantwortung |
| XII | Der Gehängte | Innehalten, Perspektivwechsel, Hingabe |
| XIII | Der Tod | Abschluss, Loslassen, Verwandlung |
| XIV | Die Mäßigkeit | Balance, Heilung, das richtige Maß |
| XV | Der Teufel | Bindung, Verstrickung, Abhängigkeit |
| XVI | Der Turm | Umbruch, Erschütterung, Befreiung |
| XVII | Der Stern | Hoffnung, Zuversicht, Heilung |
| XVIII | Der Mond | Ahnung, Unsicherheit, das Unbewusste |
| XIX | Die Sonne | Freude, Klarheit, Lebenskraft |
| XX | Das Gericht | Erwachen, Entscheidung, Neubeginn |
| XXI | Die Welt | Vollendung, Ganzheit, Ankommen |
Die Nummerierung folgt dem Rider-Waite-Smith-Deck, in dem die Kraft die VIII und die Gerechtigkeit die XI trägt. Ältere Decks wie das Tarot de Marseille tauschen die beiden Plätze.
Was ist die Kleine Arkana?
Die 56 Karten der Kleinen Arkana ähneln einem klassischen Spielkartendeck. Sie teilen sich in vier Farben auf, die jeweils einem Element und einem Lebensbereich zugeordnet sind:
| Farbe | Element | Themenbereich (Tradition) |
|---|---|---|
| Stäbe | Feuer | Tatkraft, Wille, Begeisterung |
| Kelche | Wasser | Gefühle, Beziehungen, Intuition |
| Schwerter | Luft | Denken, Klarheit, Entscheidungen |
| Münzen (auch Scheiben) | Erde | Alltag, Körper, Materielles |
Jede Farbe umfasst vierzehn Karten: das Ass bis zur Zehn sowie vier Hofkarten, Bube, Ritter, Königin und König. Die Zahlenkarten beschreiben eher Situationen und Abläufe, die Hofkarten stehen oft für Haltungen, Rollen oder Menschentypen, die dir begegnen, auch in dir selbst.
Wenn dir die vier Elemente noch nicht vertraut sind, hilft dir unser Beitrag Die vier Elemente weiter. Die Logik dahinter ist dieselbe wie in der Astrologie.
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Was ist das Rider-Waite-Smith-Deck?
Wenn heute von „dem" Tarot die Rede ist, meinen viele das Rider-Waite-Smith-Deck. Es erschien 1909 und wurde von der Künstlerin Pamela Colman Smith illustriert, konzipiert von A. E. Waite, veröffentlicht beim Verlag Rider. Das Besondere daran: Auch die Zahlenkarten der Kleinen Arkana zeigen hier ausgearbeitete Szenen statt nur eine Anzahl von Symbolen. Das machte die Karten zugänglicher und leichter zu lesen, ein Grund, warum dieses Deck bis heute so verbreitet ist und viele spätere Decks es zum Vorbild nehmen.
Für den Einstieg ist das ein Vorteil: Die Bilder erzählen selbst schon eine Geschichte. Du kannst eine Karte anschauen und dich fragen, welche Szene du dort siehst, welche Stimmung sie ausstrahlt und was sie mit deiner aktuellen Frage zu tun haben könnte.
Wie fängst du mit Tarot an?
Am leichtesten fängst du mit den Bildern und einer Karte am Tag an, diese Anregungen helfen dabei:
- Schau zuerst nur die Bilder an. Was fällt dir auf, bevor du eine Deutung nachliest? Dein erster Eindruck zählt.
- Lerne die Struktur, nicht 78 Definitionen. Wenn du weißt, dass Kelche mit Gefühlen und Schwerter mit dem Denken zu tun haben, hast du schon eine Richtung.
- Beginne mit einer Karte pro Tag. Wie das geht, liest du in Die Tageskarte im Tarot.
- Probiere erste Legungen aus. Einen Überblick gibt dir Die wichtigsten Tarot-Legesysteme.
Verstehe die Karten dabei immer als Gesprächspartner, nicht als Orakel. Sie geben dir Bilder an die Hand, mit denen du deine eigene Situation neu betrachten kannst.
Muss ich umgekehrte Karten deuten?
Nicht am Anfang. Viele Leserinnen und Leser drehen Karten, die auf dem Kopf liegen, einfach um und lesen sie aufrecht. Wer später mit umgekehrten Karten arbeiten möchte, deutet sie meist als gehemmte, verzögerte oder nach innen gerichtete Form des Kartenthemas. Beides ist üblich. Entscheide dich für eine Regel und bleib dabei.
Wie viele Karten hat ein Tarot-Deck?
78: die 22 Karten der Großen Arkana und die 56 der Kleinen Arkana, verteilt auf vier Farben mit je zehn Zahlenkarten und vier Hofkarten. Decks mit weniger Karten sind meist Orakelkarten, die einem eigenen System folgen und nicht das Tarot im engeren Sinn abbilden.
Welche Legung eignet sich für den Anfang?
Die Tageskarte: eine Karte am Morgen, ein Gedanke für den Tag. Danach die Drei-Karten-Legung, etwa als Situation, Hindernis und Rat. Große Legungen wie das Keltische Kreuz lohnen sich, wenn du die Karten schon gut kennst. Eine Übersicht gibt der Beitrag Die wichtigsten Tarot-Legesysteme, und wer sein Jahr Monat für Monat mit einer Karte begleiten möchte, findet in der Tarot-Jahreslegung eine fertige Legung mit Deutung.
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